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Sozialisation und Habituation des Hundewelpen

In der frühen Jugendzeit ist der Hundewelpe erstaunlich aufnahmefähig für neue Situationen und Eindrücke, in dieser Zeit werden die Grundelemente der Sozialisation für das spätere Leben des Hundes gelegt.

Daher ist es sehr wichtig für den kleinen Hund hier schon mit diversen Umweltreizen konfrontiert zu werden.

  • Kontakt zu anderen Hunden (gute Sozialisierung für geschickten Umgang mit Hunden)
  • Umgang mit verschiedenen Menschen (rechtzeitige Sozialisierung im Menschen-Haushalt)
  • Gelassenheit in unterschiedlicher Umwelt (Habituation = Gewöhnung an Geräusche, Situationen ...)

Sozialisierung des Hundes:

Hundebabies lernen gutes Sozialverhalten von dem Moment an, wo sie sich außerhalb des Wurflagers zu bewegen beginnen, etwa ab der 3. Lebenswoche.
In der ersten Zeit sind für ihre Sozialisierung hauptsächlichen die Hundemutter (und auch der Hundevater) sowie die Geschwister und der Züchter verantwortlich. Sie lehren ihren/seinen "Kindern" in dieser Zeit auch schon, das nicht alles erlaubt ist, was Spaß macht, daß es Gegenstände gibt, die jemand anders gehören und mehr Wichtiges und Nützliches. Von den Geschwistern lernen die Welpen z.B., daß es nicht gut ist, wenn man seine nadelspitzen Milch-Zähne zu fest in ein Ohr drückt - der andere spielt dann plötzlich nicht mehr freundlich mit. So entsteht Gefühl im Hundemaul: die wichtige Beißhemmung wird so früh eingeübt, damit sie später zuverlässig ist.
Der Hundevater ist heutzutage leider nur noch äußerst selten mit der Erziehung der Welpen beschäftigt, bzw. die Welpen lernen ihn gar nicht mehr kennen.
Wobei meine persönliche Erfahrung ist, dass der Hundevater schon eine wichtige Erzieherrolle spielt, sobald die Welpen so alt sind das Wurflager zu verlassen.

Diese heute recht seltenen Beobachtungen durfte ich dankbarerweise bei den Züchtern meines Pit Bull Terrier Rüden D`Artagnan machen, welcher bis zur 11. Woche gemeinsam mit Hundemutter, Hundevater und 9 Geschwistern im Familienverband verbrachte. Hier hat sich der Vaterrüde als sehr verantwortungsbewusster, gut sozialisierter Rüde gezeigt welcher sich intensiv um die Erziehung der Welpen kümmerte und auch während der Geburt das Wurflager bewachte.

Nach der Abgabe des Welpens an seine neue Familie muss er natürlich viele weitere Dinge lernen. Dies kann und sollte man durch den Besuch einer gut geführten Welpenspielgruppe unterstützen. Hier lernt und vertieft der Welpen den Umgang mit Artgenossen im von dem Trainer kontrollierten Spiel.
Auch macht er Erfahrungen mit Hunden der unterschiedlichsten Rassen, was für sein späteres Leben sehr wichtig ist. Da durch Zucht sehr viele unterschiedliche Phänotypen des Hundes entstanden sind fällt die Kommunikation unter verschiedenartigen Rassen nicht immer auf Anhieb leicht. Da einige stark in ihrer Ausdrucksweise beinträchtigt sind (z.B.: Englische Bulldoggen usw.). Hervorgerufen unter anderem durch stark brachycephale Schädel (verkürzte Schnauze) oder auch durch kupieren von Ohren und Rute.

Sozialisierung mit Menschen:

Zuerst begreift ein junger Hund mit Hilfe von Geruchs- und Tastsinn schon vor dem Öffnen seiner Augen (diese sind bei Welpen bis etwa zum 12. Lebenstag geschlossen) wer alles zu seiner engsten Familie gehört. Deshalb sollte der Welpe von Geburt an intensiv Kontakt zu Menschen haben. Im sozialen Umfeld eines Hundes, das der Welpe beim guten Züchter kennenlernen kann, gibt es nicht nur aus Mutter und Geschwistern, sondern - ganz wichtig - auch liebevolle Menschen aller Art, Kinder und Erwachsene. Vom ersten Lebenstag an lernte der Welpe (hoffentlich), daß Menschen zu seiner Familie gehören, dann begreift er schon, wie deren Gesichter und Gesten zu deuten sind, was ein Lächeln bedeutet und vieles mehr. Fatal, wenn er bei seinem Züchter nicht ausreichend Gelegenheit dazu findet: ein ungenügend auf Menschen sozialisierter Welpe wird später im Zusammenleben mit Ihnen und bei unzähligen Alltagsbegegnungen viel unnötigen Stress erleben, den rechtzeitige Sozialisierung auf Menschen vermeiden hilft ... suchen Sie sich Ihren Züchter deshalb mit Sorgfalt aus.
In diesem frühen Stadium seines Lebens sollte der kleine Hund, im Umgang mit seinen Menschen spielerisch auch die Beiß-Hemmung erlernen, sprich er lernt das zu festes Beißen weh tut und nicht erwünscht ist.
Hier sei noch einmal eindringlich darauf hingewiesen: die Beiss-Hemmung ist dem Welpen nicht angeboren, sie wird in der Sozialisationsphase erlernt!
Auch daher ist ein Ausreichender Umgang mit Artgenossen und Menschen von entscheidender Wichtigkeit.

Geben sie dem Welpen auch die Chance zu lernen, dass Menschen sehr unterschiedlich aussehen können, buntes 'Fell' und manchmal sogar drei Beine, Räder und insgesamt sehr seltsame Bewegungen haben können. Sie können sich freuen: der so sozialisierte Welpe wird Uniformträger, vorsichtig mit Stock Gehende, Radfahrer und vieles mehr später nie mehr beunruhigend finden.

Habituation (Gewöhnung an die Umwelt):

Glücklich der Welpe, der bereits beim Züchter viele Umwelt-Erfahrungen sammeln durfte: kleine Spaziergänge, einen sicher eingezäunten Spielgarten neben einer Straße, erste kurze Autofahrten und noch vieles mehr. So eine Früh-Förderung ist wichtig, denn nur wenige Wochen stehen uns zur Verfügung, bis unser Welpe schon etwa ab der 7.(!) Lebenswoche damit beginnt, alles Neue, bis dahin noch Unbekannte mit wöchentlich immer grösser werdenden Misstrauen zu betrachten.

Die Habituation ist natürlich nicht mit der Übernahme des Welpens vom Züchter abgeschlossen, hier geht sie natürlich bei seiner neuen Familie weiter.
Ermöglichen sie ihrem Welpen die verschiedensten Umweltsituationen zu erleben und diese Eindrücke positiv zu verarbeiten.

Nun ist es auch möglich den Welpen nicht nur mit den unterschiedlichsten Artgenossen und Menschen zu sozialisieren, sondern auch mit artfremden Tieren.

Zeigen sie ihm das Katzen, Kaninchen und andere Kleintiere in Ihrem Haushalt keine Jagdbeute sondern Familienmitglieder sind.
Lassen sie ihn nach Möglichkeit auch andere Tiere wie Pferde, Rinder, Geflügel usw. kennenlernen. Es wird eine große Erleichterung für Sie und Ihren Hund wenn er nicht hinter jedem Weidetier herjagt oder auch panisch vor Angst reagiert.





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